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< Secretary Irreversibel Herr Lehmann >      

Brett vorm Kopf
Marcus (Vincent Cassel) ist außer sich vor Rage, nur die Suche nach dem Club Rectum im Schwulenmilieu scheint seine einzigste Lebensmotivation. Rache ist sein Motor und die nach einer Vergewaltigung im Koma liegende Alex (Monica Bellucci) sein tiefster Schmerz. Jedes Mittel ist ihm Recht um den Peiniger aufzuspüren, selbst wenn er dabei die menschliche Maske verliert und zum Tier wird.
     Cannes 2002 – ein Film, ein Eklat und wieder einmal ein Franzose, der hinter der Kamera stand. Gaspar Noé produzierte gemeinsam mit Vincent Cassel den wohl filmischsten Schlag vor den Kopf, den jemals ein Kinofilm verkörperte. Keine Skrupel, keine Beschönigungen, keine Tabus – der Mensch als Tier, der Mensch als Opfer seiner selbst und seiner Entscheidungen. Die Kamera wird zum Ausdruck der Emotionen
des Protagonisten und diesen wird unerbärmlich nachgegangen. Nichts kann rückgängig gemacht werden, die Zukunft ist fest vorbestimmt, nur der Tod ist die wahre Erlösung vom ganzen Wahnsinn auf diesen Erdenball.
     Daher muss man auch als Regisseur gerade stehen für die Entscheidungen die man trifft, um seinen Film in den Kasten zu bekommen. Selbst falsche Entscheidungen können dabei nicht rückgängig gemacht werden. So wirft man den Zuschauer mir nichts dir nichts in ein unvorbereitetes und überhoben skizziertes Chaos, dass durch eine nie stillstehende Kamera zur Achterbahnfahrt direkt in den Magen-Darm-Trakt wird. Wüste Soundkulissen, verwaschene Bilder, hier und da mal ein erregierter Penis oder ein zerschlagener Kopf - das sind im Wesentlichen die Bestandteile, die der Zuschauer innerhalb der ersten zwanzig Minuten zu verarbeiten hat. Einen Grund für das Chaos gibt es erst später, wenn man den dann überhaupt noch erfahren will.
     Gut, die Thematik lässt diese Umsetzung eindeutig zu und verdeutlicht hoffentlich nicht zum Letzten Mal auf der Leinwand die Grausamkeit der eigenen Menschlichkeit. Jedoch sollte man dabei bedenken, wie man sein Vorhaben verpacken will. Überheblichkeit ist zwar ein französisches Klischee, aber dieses Stereotyp sollte nicht unbedingt nachträglich
betont werden. Noé setzt mit Irreversibel neue Zeichen, aber Standards werden diese nie wirklich werden, solange man noch selbst entscheiden darf was für einen zuviel ist.
     Viel zu überzogen wird man somit in etwas hineingeworfen, dass man nicht versteht, dass rückwärts abgespielt wird und letztenendes nur eine Rechtfertigung für eine 99minütigen Lektion in Sachen Rache ist. Die Zeit zerstört alles und so auch die Momente, die man ohne Irreversibel hätte verbringen können. Doch bevor man sein Ticket lösen will, sollte man wissen, dass dieser Film nichts für zartbesaitete Gemüter ist. Wir können nicht vor der Zeit davonrennen, aber immerhin können wir entscheiden wie wir sie verbringen.

HAMA

Irreversibel - Facts


Drama, Frankreich 2002
Regie: Gaspar Noé
Hauptdarsteller: Monica Bellucci, Vincent Cassel, Albert Dupontel, Jo Prestia, Phillippe Nahon, Stéphane Drouot, Mourad Khima
Bundesstart: 11.9.2003
Homepage: Irreversibel
(http://www.alamodefilm.de)
Action
Humor
Spannung 
Anspruch
Erotik

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Mit freundlicher Unterstützung von (Chemnitz)

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