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Irgendwie Geheimdienst
Burn After Reading – Wer verbrennt sich die Finger?
Da sitzen Sie nun in einem kalten Betonbüro der russischen Botschaft. Während Linda Litzke (Frances McDormand) nervös versucht dem russischen Kulturattaché eine CD mit dem vermeintlich „heißem Geheimdienstscheiß“ anzudrehen um sich mit der Belohnung eine OP leisten zu können, die sie in ein Baywatch-Model ersten Ranges verwandeln würde, sitzt neben ihr Chad Feldheimer (Brad Pitt), hält sich ein Taschentuch an die blutende Nase und denkt sich – ja, was denkt Chad wohl? Denkt Chad überhaupt?
      Burn After Reading ist wohl die absurdeste US-Komödie, die die Welt im Jahr 2008 zu bestaunen hatte. Denn während die einen Zuschauer noch grübeln ob das jetzt wirklich ein Witz war, liegen die anderen bereits in der Ecke vor Lachen und fühlen sich an den trockenen Humor von The Big Lebowski erinnert. Kein Wunder, zeichnen sich doch auch hier die Coen-Brüder für Regie, Drehbuch und sogar Produktion verantwortlich.

     Diese Dreieinigkeit scheint auch notwendig gewesen zu sein, bei dem Star-Ensemble, welches sie um sich vereinen. Denn neben Frances McDormand darf man auch gleich Brad Pitt, George Clooney und John Malkovich bewundern. Bei dieser hochkarätigen Besetzung verwundert es nicht, wenn die Coens zu jedem ihrer Schauspieler angeben, sie hätten ihm seine Rolle auf den Leib geschrieben.
      Denn in der Tat scheint das Augenmerk von Burn After Reading an den Charakteren hängen geblieben zu sein: Wunderbar schrullig hauchen die Schauspieler ihren Filmrollen Leben ein und verpassen ihnen Macken und Kanten wie in nur wenigen anderen Filmen. Absolut sympathisch und doch irgendwie anstrengend verworren gerieren sie sich in einer Handlung ohne Spannungsbogen aber dafür umso mehr Handlungssträngen.

     Die Gebrüder Coen lassen dabei die simple Geschichte um eine verloren gegangene Sicherungskopie zu einer Geheimdienstposse von epischen Ausmaßen anwachsen. An deren Anfang steht die Idee des soeben frisch entlassenen Osborne Cox (John Malkovich) über seine Zeit als Kryptograph beim CIA ein Buch zu veröffentlichen. Für seine Frau Katie (Tilda Swinton) ein Grund mehr sich von ihm scheiden zu lassen. Und so rät ihr Anwalt doch schon mal vorsorglich Aktenmaterial zu sammeln, falls es zu einer juristischen Auseinandersetzung kommt. Die dabei entwendete CD findet allerdings nicht ihren Platz in der Beweismappe von Katies Scheidungsanwalt, sondern fällt Chat und Linda im Fitnessclub mit euphemistischen Namen „Hardbodies“ in die Hände, wo beide als Fitnesstrainer arbeiten. Chad hält die ersten Buchseiten von Cox für verloren gegangenes Geheimdienstmaterial und wittert einen stattlichen „Finderlohn“, den er zu erpressen gedenkt. Da aber bei den Coens jeder mit jedem schläft, landet bald darauf Linda mit Harry Pfarrer (George Clooney), dem Geliebten von Katie Cox im Bett und macht die allgemeine Verwirrung perfekt.

     Leider plätschert die Handlung des Filmes trotz aller Verquickungen nur so dahin. Allein aus der Schrulligkeit der überzeichneten Charaktere speist sich dabei ein Witz, der für Liebhaber dieser Art Humors den Willen zum Durchhalten bestärkt. In Erwartung eines dramaturgischen Höhepunktes verharren derweil alle anderen Zuschauer in einer Lauerstellung und werden höchstens durch dessen Nichteintreten überrascht. Am Ende laufen alle Handlungsstränge mehr oder weniger zusammen und man darf feststellen: neben zwei obligatorischen Morden ist nichts geschehen.
massoud

Burn After Reading – Wer verbrennt sich die Finger? - Facts


Komödie, USA 2008
Regie: Ethan & Joel Coen
Hauptdarsteller: George Clooney, Brad Pitt, Tilda Swinton, Frances McDormand, John Malkovich
Bundesstart: 2.10.2008
Homepage: Burn After Reading – Wer verbrennt sich die Finger?
(http://www.burnafterreading-derfilm.de/)
Action
Humor
Spannung 
Anspruch
Erotik

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