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Berlinale am Bosporus
Gegen die Wand
Gegen die Wand, der Gewinner der diesjährigen Berlinale, sorgte nicht nur wegen der Pornovergangenheit von Hauptdarstellerin Sibel Kekilli für Gesprächsstoff. Während die BILD-Zeitung wetterte, nahmen andere Medien den international beachteten Film von Fatih Akin mit durchaus anderen Augen wahr.

     Sibel (Sibel Kekilli) ist eine junge türkische Frau Anfang zwanzig, wunderschön und so gar nicht mit dem Leben zufrieden, das sie als anständige Muslimin erwartet. Nach einem Selbstmordversuch lernt sie im Krankenhaus den Türken Cahit (Bürol Ünel) kennen. Cahit hat mit seinem Leben
als Türke schon vor langer Zeit gebrochen und gibt sich lieber dem Alkohol und einem exzessiven Drogenrausch hin. In ihm sieht Sibel ihre Chance vor dem Leben der Eltern zu fliehen, sie überredet Cahit zu einer fingierten Hochzeit, die es Sibel ermöglichen soll ein neues Leben zu beginnen.

     Akins Film ist die Geschichte zweier Liebenden, die viele Hindernisse überwinden müssen, um zu ihrem gemeinsamen Glück zu kommen. An und für sich klingt dieser Plot wie viele andere auch, wenn er nicht in einem Milieu angesiedelt wäre, daß unserem normaldeutschen Denken so unbekannt ist, wie kaum ein anderes. Welches aber noch dazu in unserer nächsten Nähe exsistiert. Die türkische Minderheit in Deutschland wird bei weitem noch keine eigenständige Kultur zugestanden, dass aber eine existiert, wird dabei nicht bedacht. Akin geht es in seinem Film darum, dieses Leben in den Mittelpunkt zu ziehen und das Bewußtsein dafür zu wecken. Gleichzeitig kritisiert er aber auch seinen eigenen Kulturkreis und prangert die Unterdrückung der Frau im Islam aktiv an. Das Leid das Sibel auf sich nimmt um dieser Unfreiheit zu entkommen ist nur ein Indiz dafür. Auch Cahit flüchtet vor den Traditionen seiner Väter, er
verabscheut die tradierte Überhöhung der Familienbande. Zusammen stehen die beiden als lebendige Metapher für eine nach Akin notwendige Veränderung im traditionell ausgerichteten Leben vieler Türken.

      Gegen die Wand ist ein Film voller Poesie und Liebe, aber auch voller Sozialkritik und Angst. Der Film lebt von seinen grandiosen Charakteren und ihren Schauspielern genauso wie von der exzellent durchkonstruierten Story. Warum aber die Hochzeit von Sibel und Cahit so schnell und ohne die sonst üblichen pompösen Vorbereitungen abläuft, daß kann nur Akin allein sagen. Trotzdessen ist sein Film ein optischer Hingucker, der nicht nur wegen der Darsteller sondern auch wegen des innovativen Blickwinkels besticht.
massoud

Gegen die Wand - Facts


Drama, Deutschland 2004
Regie: Fatih Akin
Hauptdarsteller: Sibel Kekilli, Bürol Ünel, Catrin Striebeck
Bundesstart: 11.3.2004
Homepage: Gegen die Wand
(http://www.gegendiewand.de)
Action
Humor
Spannung 
Anspruch
Erotik

zum "Gegen die Wand" Rating




Mit freundlicher Unterstützung von (Chemnitz)

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