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Von der Rettung eines Retters
Crash (Matthias Schweighöfer) ist Rettungsassistent. Leben retten und Menschen helfen ist seine Bestimmung. Ein Leben außerhalb des Jobs gibt es für den 26-jährigen nicht. In seiner Freizeit fährt er Skateboard. Aber weniger weil es für ihn ein toller Sport ist, sondern um seinen Eltern näher zu sein. Diese sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen, als Crash gerade sieben Jahre alt war. Und ihr Hobby war das Skateboarden. Von diesem Unfall trägt Crash eine Narbe in seinem Gesicht, welche ihn immer an den traumatischen Unfall erinnert. Ansonsten lebt er zurückgezogen in einer Schrebergartensiedlung, die Avancen von Frauen lassen ihn kalt. Nur ein Traum lässt Crash seit seiner Kindheit nicht mehr los, er träumt von einer Frau, die ihre Arme nach ihm ausstreckt. Diese Frau ist für ihn der Inbegriff der Perfektion und der wahren Liebe.
Als Crash eines Tages mit seinem Kollegen Fido (Jan Gregor Kemp) zu einem Einsatz geholt wird, passiert für Crash etwas Einschneidendes: er trifft auf die Frau aus seinen Träumen.
November (Jessica Schwarz) ist hochschwanger. Ihr Freund ein hoffnungsloser Junkie. Mit Hingabe und Ausdauer versucht sie ihn von der Nadel wegzubringen, sie geht sogar noch abends aus, um ihn von den Drogen abzubringen. Voller Verzweiflung stellt sie eines Tages bei einer Schwangerschaftsgymnastik - ihr Freund hat sie versetzt - fest, dass all ihre Bemühungen zwecklos waren. Zu Hause angekommen sieht sie, wie er sich wieder eine Nadel setzt - der goldene Schuss. November holt Hilfe, aber noch während der Notarzt versucht ihren Freund zu reanimieren, fällt ihr, in all ihrer Angst um den Freund, der Rettungsassistent auf. Irgendetwas an ihm ist besonders. Sie nimmt einige Zeit nach dem Tod ihres Freundes Kontakt zu ihm auf und die beiden beginnen eine zarte Liebesbeziehung. Ein netter und naiver Film, den Regisseur und Drehbuchautor Benjamin Quabeck (Nichts bereuen) da vorlegt. Einzig und allein an der Tiefe mangelt es ihm. Der Versuch, den trostlosen und stellenweise sinnlosen Alltag von Rettungssanitätern darzustellen gelingt ihm noch ganz gut. Crash, der der Belastung der täglichen Einsätze durch Skateboarden entflieht, Fido der Familienvater, der bei jeder sich ergebenden Gelegenheit Sex mit der Notärztin Gabriella Neumann alias "Dr. Tod" (Bibiana Beglau) hat und schließlich Richie (Florian Lukas), Matthias' Freund, der seinem Alltag durch alle möglichen Drogen entkommt. Alles ganz nett, nur mehr als der vage Verdacht, dass die beteiligten Personen ihren Alltag nicht verkraften, kommt beim Zuschauer nicht auf. Die Charaktere sind weder besonders tiefgründig noch überzeugend. Einzig Jessica Schwarz durchbricht diesen Kanon, der eher an einen schnell produzierten TV-Film erinnert, durch ihre Mimik, die von Verzweiflung hin zu Naivität und wieder zurück wechselt. Dieses Spiel ihrer Gesichtszüge vermittelt zu guter Letzt noch ein wenig Authentizität. Kammerflimmern erinnert stellenweise an einen Dokumentarfilm, doch das Gefühl für Realität will nicht aufkommen. Auch die als Schmankerl gedachten Rückblenden, welche Crashs traumatische Erinnerungen illustrieren, verfehlen leider ihre Wirkung. Zum Schluss gibt es dann noch einen Tabubruch, denn Crash schläft mit der hochschwangeren November. Fazit: Außer seltsamen Namen und einem netten Setting findet man nicht viel in Kammerflimmern. Schade eigentlich, denn das Sujet erscheint interessant genug. Lokalpatrioten dürfen sich den Film ob des Chemnitzers Matthias Schweighöfer gerne zu Gemüte führen, aber einen Kinobesuch ist dieser Film ansonsten nicht unbedingt wert. massoud
Kammerflimmern - Facts
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