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Die schonungslose Realität
Es fällt leicht die Augen vor etwas zu verschließen. Vor Wahrheiten, die man sich nicht eingestehen möchte, vor Konflikten und vor allem bei Dingen, bei denen jeder froh ist, wenn er selbst nicht zu den Betroffenen zählt. Man kann sich eines gewissen Mitleidsgefühls nicht verwehren und doch scheint es nur den Anderen zu passieren. Was können das für Dinge sein? Naturkatastrophen, Autounfälle, Welthunger oder aktuell die Finanzkrise. Nun, die Wenigsten wissen, dass wir, als Anleger weit mehr tun als nur Zinsen abstauben. Indem wir unser Geld den Banken anvertrauen fördern wir Armut, Wirtschaftsabhängigkeit und Ausbeutung. Klingt absurd? Ist leider bittere Realität die uns Erwin Wagenhofer in 110 min schonungslos und ohne Kommentare auftischt. Der österreichische Autor und Filmemacher sorgte bereits 2005 mit Feed the World – Essen Global für Aufmerksamkeit und gewann dafür 2006 den Gilde Filmpreis für die beste Dokumentation. Mit seinem Neuling verschafft er uns Einblicke hinter die Kulissen der Macher des Neo-Liberalismus und derer, die es direkt betrifft. Ob Baumwollproduzenten in Afrika oder indische Fabrikarbeiter – die Bevölkerung der Dritte-Welt-Länder sind Opfer des freien Marktes geworden. Die Dokumentation besticht durch die einmaligen Gegensätze: Wirtschaftsmagnaten und Investment Manager fahren mit ihrem Mercedes durch Slums und stellen fest, dass es nicht zuträglich wäre, wenn deren Bewohner plötzlich reicher würden. Das macht den Zuschauer oft fassungslos. Vielleicht hat der ein oder andere schon selbst geahnt, dass hinter den Kulissen der Politik und des glänzenden Weltmarktes nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann. Die Dokumentation aber geht einen Schritt weiter. Unkommentiert zeigt sie die erschreckenden Tatsachen: Länder werden in die Verschuldung getrieben, notfalls Regierungen gestürzt, der eigene Markt subventioniert und den Dritte-Welt-Ländern die Rohstoffe abgekauft. Diese Länder können wiederum kein vernünftiges Gesundheitswesen aufbauen, da sie hoch verschuldet sind. Außerdem müssen sie über die Steuern der Bürger die ausländischen Kredite bezahlen, von denen letztlich nur die ausländischen Firmen profitieren. Es scheint ein Teufelskreis und die Dokumentation lässt einen oft nicht nur sprachlos, sondern auch hilflos zurück. Gerade deshalb ist sie ein Muss. VK
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